Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test (inkl. Beispielbilder / sample images)

Nikon Z 50mm f/1.2 S – die wichtigsten Daten des Objektivs

Mit dem Nikon 50mm 1:1,2 für die Z-Serie schafft es wieder mal ein brandneues Produkt, dass ich noch am ersten Tag der Auslieferung einen kurzen Artikel dazu veröffentlichen möchte. Wenn ich Stand heute, den 12.12.2020 die Suchmaschine dazu bemühe, finde ich außer Ankündigungen noch kaum einen Artikel dazu, keinen einzigen Test und nicht ein hochauflösendes Beispielbild. Da dieses Objektiv sicherlich nicht für jeden interessant ist, für einige Fotografen dafür umso mehr, teile ich hier ein paar erste Bilder und Eindrücke mit euch.

Zunächst einmal die wichtigsten Daten, die Nikon zu diesem Objektiv angibt:

  • Objektiv mit Nikon-Z-Bajonett
  • FX-Format (Vollformat)
  • 50 mm Brennweite
  • Lichtstärke 1:1,2
  • 9 Blendenlamellen, kleinste Blende f/16
  • Nanokristallvergütung, ARNEO-Vergütung
  • ca. 89,5 mm (maximaler Durchmesser) × 150 mm, ca. 1090g
  • 82mm Filterdurchmesser
  • OLED Display
  • UVP 2436€ (inkl. 16% MwSt)
  • weitere Details auf Nikon.de

Das Mitte September offiziell vorgestellte, hochlichtstarke 50mm Objektiv war schon lange ein großer Wunsch für mich. Von den F-Objektiven sagten mir weder das 50mm f/1.4 noch das 50mm f/1.8 G wirklich zu. Das 50mm 1.8 S für das Z-System war schon eine sehr positive Überraschung, allerdings wollte ich noch auf eine lichtstärkere Variante warten. Für den Übergang tat es daher bisher noch ein Tamron 45mm f/1.8 VC.

Groß und schwer, dafür optisch excellent, das hat Sigma mit der Art Serie die letzten Jahre schon vorgemacht. Die für ein 50er geradezu gigantischen Abmessungen und das angegebene Gewicht des neues Nikon 50ers machten mir daher schon mal Hoffnung. Hoffnung auf ein Spezialobjektiv, das für mich persönlich zum absoluten Immerdrauf für die Reportagefotografie werden könnte. So lichtstark wie möglich bei maximaler optischer Leistung, scharf bereits bei offener Blende, mit einem rasanten, treffsicheren Autofokus.

Die Ankündigung von Nikon, ein kompromissloses Objektiv für jene Profis zu schaffen, welche ein Maximum an Leistung und optischer Performance erwarten, ließ meine Erwartungen an dieses nicht sinken. Ganz im Gegenteil. Und seit heute weiß ich, Nikon schafft es hier alle (meine) Erwartungen zu erfüllen, gar noch zu übertreffen. 

Erstes kleines Update vom 23.01.2021:

Ich konnte in den vergangen Wochen nun schon mehrere Hochzeitsreportagen mit dem Objektiv begleiten und bin immer noch hellauf begeistert. Früher kam die 50mm Brennweite bei mir recht selten zum Einsatz, seit ich das neue Z Objektiv habe ist es meine am meisten Eingesetze Brennweite auf Hochzeiten. In Kombination mit der Nikon Z6ii sitzt der Fokus auch in den schwierigsten erdenklichen Situationen (z.B. bei Offenblende f/1.2 und Gegenlicht oder in sehr dunkler Umgebung) perfekt auf dem Auge – sichtbar besser als an der älteren Z7 und im Vergleich zu meinen DSLRs um ein Vielfaches treffsicherer (und nebenbei auch schneller).

Heute konnte ich es als Werbefotograf bei einem Business Shooting verwenden und kann nun guten Gewissens bestätigen, dass das 50mm auch hier restlos überzeugt. Die Schärfeleistung ist selbst bei offener Blende so gut, dass diese auch bei Werbeaufnahmen für Kunden mit hohem Anspruch an die Abbildungsleistung gestalterisch eingesetzt werden kann.

Zur Hochzeitsreportage mit dem 50mm f/1.2 S

Mein persönlicher, erster Eindruck (Kurztest) vom Nikon Z 50mm f/1.2 S Objektiv

Auch für dieses Objektiv hat die Zeit bisher nur für einen Kurztest gereicht, dennoch konnte ich heute bei einem kleinen Spaziergang mit unseren Nachbarshündinnen Jette und Donna schon einige Testbilder an der Z7 schießen und mir einen persönlichen Eindruck verschaffen.

Gerne ergänze ich diesen Artikel in den nächsten Wochen noch weitere Erfahrungen aus der Praxis mit diesem Objektiv, auch beantworte ich gerne so gut es geht eure Fragen in den Kommentaren dazu. Einen nüchternen mit reinen Testmotiven (gar eine Backsteinwand o.Ä.) braucht man hier aber nicht erwarten, ich teste Fototechnik bereits seit einiger Zeit nur noch in der tatsächlichen Anwendung, unter realen Bedingungen.

Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test (an der Z7)
Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test (Hinterlinse)
Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test (Vorderseite)
Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test (Filtergewinde)

Extrem scharf bereits ab Offenblende (f/1.2)

Wer sich zuvor schon mal für ein so lichtstarkes Objektiv interessiert hat, kennt sicher auch die üblichen Schwächen solch extremer Objektive bei offener Blende. Optimisten würden die Ergebnisse als weich beschreiben, weniger freundlich lassen sich die Aufnahmen sonst aber auch einfach als recht unscharf bezeichnen. Beispiele dafür sind etwa das alte Nikkor 50mm AIS f/1.2 von Nikon (das ohne Autofokus) oder das Canon EF 85mm f/1.2 II. Beide Objektive habe ich schon mehrfach verwendet und möchte keines davon schlecht reden. Beide produzieren (in den richtigen Situationen eingesetzt) hervorragende Ergebnisse (sprich wunderschöne Bilder). In den seltensten Fällen macht die technisch perfekte Schärfe den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Bild. Und dennoch: Dieses Nikon Objektiv spielt in einer komplett anderen Liga. Ein Beispiel gefällig? Schaut euch mal Donna an:

50mm S @f/1.2

Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test - Beispielbild 1

100% Crop @f/1.2

Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test - Beispielbild 1 - 100% Crop
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Abgeblendet noch besser, bis in die Bildecken perfekt

Das Auflösungsverhalten des 50mm S ist nichts anderes als phänomenal in meinen Augen. Bereits offen bei Blende 1.2 zeigen sich winzige Strukturen wie Haare und Wimpern unheimlich detailliert, selbst am sehr hochauflösenden Sensor der Z7 wie bei anderen Objektiven erst wenn diese deutlich abgeblendet sind. Auf f/6.3 abgeblendet übertrifft das neue 50er (subjektiv, ich habe hier nichts gemessen!) wohl alle Kleinbild/Vollformat-Objektive, die ich bisher in der Hand hatte (und das sind schon einige). Die Schärfe ist hier von Bildecke zu Bildecke gleichmäßig überragend, ich würde sogar sagen „kaum mehr sichtbar zu übertreffen“. Wenn ich die Tage mal in Ruhe dazu komme, werde ich mal einen kleinen Vergleich mit dem Phase One 50MP Digitalrückteil und dem Schneider 80mm Objektiv machen. Unnötig, aber es juckt mich in den Fingern.

50mm S @f/6.3

Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test - Beispielbild 2

100% Crop @f/6.3

Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test - Beispielbild 2 - 100% Crop
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Phänomenales Freistellungsverhalten & Bokeh

Was bereits den Reiz anderer Objektive dieser Lichtstärke ausgemacht hat ist der unvergleichliche Bildstil, der sich mit solchen Objektiven erzeugen lässt. Die Schärfentiefe beträgt hier selbst bei einigem Abstand zum Motiv teils nur wenige Millimeter bis Centimeter, Vorder- und Hintergrund lösen sich in harmonischer Unschärfe auf. Die Freistellung dieses 50mm f/1.2 Objektivs ist in etwa vergleichbar mit einem 85mm f/1.4 Objektiv, allerdings bei einem deutlich weiteren Bildwinkel.

Wie harmonisch der Verlauf von Schärfe zu Unschärfe ist und wie (un-)schön unruhige Strukturen in der Unschärfe abgebildet werden, ist bei jedem Objektiv anders, schwer messbar / einzuordnen und teilweise auch stark dem persönlichen Geschmack überlassen. Beschrieben wird diese Qualität der Unschärfe üblicherweise mit dem Wort Bokeh.

In der Vergangenheit habe ich besonders diesbezüglich häufig beobachtet, dass Objektive meist entweder auf besonders gute Abbildungsleistungen wie Schärfe, Verzeichniskorrektur, etc optimiert sind oder auf einen besonders harmonische Darstellung und ein schönes Bokeh. Meinem heutigen ersten Test nach hat Nikon hier einen Volltreffer gelandet, denn trotz der extrem guten Bildqualität erzeugt das 50mm S einen äußerst harmonischen, gefälligen Bildlook. Dieser ist mir besonders wichtig, da ich das Objektiv beruflich auf meinen Hochzeitsreportagen einsetzen möchte und diese Eigenschaft für meinen Bildstil sehr wichtig ist.

50mm S @f/1.6

Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test - Beispielbild 3

100% Crop @f/1.6

Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test - Beispielbild 3 - 100% Crop
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Autofokus: Stärken & (unvermeidliche) Schwächen

Die hauchdünne Schärfeebene bei Offenblende stellt extreme Anforderungen sowohl an das Fokussystem, aber auch an den Fotografen. Wenige Millimeter entscheiden hier zwischen korrekter Schärfesetzung und sichtbar unscharfem Motiv. Wie die Aufnahme von Donna im Sprung (und noch einige weitere Bilder auf meiner Speicherkarte, die ich euch hier mal erspare) zeigt, ist der Autofokus der älteren Z7 bei bewegten Motiven schnell an seinem Limit und kommt einfach nicht hinterher. Dies überrascht mich jedoch nicht, eine solche Situation hat bisher von allen meinen Kameras nur die Nikon D5 gemeistert, die genau auf solche Fälle konzipiert ist. Die Z7 lieferte beispielsweise mit dem Nikon 70-200mm f/2.8 VR FL Telezoom (welches zusammen mit der D5 meine absolute Traumkombination für Action- und Sportaufnahmen ist) ähnliche Ergebnisse. Bei ruhigen und leicht bewegten Motiven eine Trefferquote nahe 100% mit perfekt sitzendem Fokus, jedoch sehr viel Ausschuss, sobald sich das Motiv schneller (oder gar direkt auf die Kamera zu) bewegt.

Nach allem, was ich bisher über die neue Z-Generation (Z6 II & Z7 II) lesen, schauen und hören konnte, sind meine Erwartungen auch hier wieder groß. Der zweite Prozessor scheint hier deutlich zu helfen und bringt den Autofokus ersten Videos nach auf ein Level, wie man es von der D5 gewöhnt ist. Plus die Vorteile von Augen-und Gesichtserkennung. Ich hoffe, hier bald positives berichten zu können, sobald meine vorbestellte Z6 II geliefert wird. Die Nachfrage war anscheinend auch hier sehr groß und noch muss ich (leider) warten.

50mm S @f/1.2

Nikon Nikkor Z 50mm f/1.2 S: Ein erster Praxis Test - Beispielbild 4

100% Crop @f/1.2